Beim Berechnen der kurzfristigen Rentabilität eines Neubau‑Etagenapartments für Kurzzeitvermietung richte ich meinen Blick zuerst auf die Praxis: Welche Einnahmen sind realistisch, welche Kosten darf ich nicht übersehen und wie reagieren Einnahmen auf Saisonalität oder Plattform‑Gebühren? In diesem Artikel nehme ich Sie mit durch meine eigene Kalkulationslogik, zeige Beispielrechnungen und gebe konkrete Tipps, wie Sie zu einer belastbaren Einschätzung kommen.
Worauf kommt es bei der kurzfristigen Rentabilität an?
Kurzfristige Rentabilität bedeutet für mich: Ich schaue vor allem auf die Cashflows innerhalb eines Jahres bis zu drei Jahren — Einnahmen nach Gebühren, laufende Kosten, Finanzierungskosten und die Effekte von Leerstand beziehungsweise saisonalen Schwankungen. Dabei unterscheide ich:
Nur wenn ich alle diese Posten realistisch schätze, erhalte ich eine belastbare Kennzahl wie Cash‑on‑Cash‑Return, Nettoergebnis oder die kurzfristige Rendite (jährlicher Nettogewinn / eingesetztes Eigenkapital).
Wichtige lokale Rahmenbedingungen: Beherbergungsregeln und Meldepflichten
Bevor ich Zahlen in eine Kalkulation tippe, prüfe ich immer die lokalen Regeln. Viele Kommunen besitzen eigene Vorschriften:
Diese Regeln erzeugen direkte Kosten (Registrierungen, ggf. Umbauten) und indirekte Risiken (Bußgelder, Nutzungsbeschränkungen). Ich setze in meiner Kalkulation deshalb immer einen Puffer für regulatorische Anpassungen ein — typischerweise 5–10 % der erwarteten Einnahmen.
Einnahmen realistisch schätzen: Belegung, Preisstrategie, Plattformmix
Die Bruttoumsätze errechnen sich aus der durchschnittlichen Belegung und dem durchschnittlichen Preis pro Nacht. Meine Praxis:
Als Beispiel: 30 m² Apartment, Standort: touristisch attraktives Stadtviertel. Realistische Werte zum Einstieg:
| Durchschnittlicher Preis/Nacht (Netto vor Plattformgebühren) | 90 € |
| Durchschnittliche Belegung/Jahr | 60 % (219 Nächte) |
| Bruttojahreseinnahmen | 90 € x 219 = 19.710 € |
Plattform‑Gebühren und Zahlungsgebühren
Platformgebühren sind ein nicht zu vernachlässigender Posten. Typische Werte:
Ich rechne konservativ mit einer durchschnittlichen Plattform‑ und Zahlungsgebührenbelastung von 12 %. Auf das oben genannte Beispiel bedeutet das:
| Bruttojahreseinnahmen | 19.710 € |
| Plattform & Zahlungsgebühren (12 %) | -2.365 € |
| Nach Gebühren | 17.345 € |
Operative Kosten einplanen
Operative Kosten für Kurzzeitvermietung sind höher als bei Langzeitvermietung. Typische Positionen:
Im Beispiel rechne ich konservativ:
| Durchschnittliche Reinigungskosten pro Buchung (50 €), Buchungen/Jahr (angenommen 80) | -4.000 € |
| Verbrauchskosten (8 €/Nacht x 219) | -1.752 € |
| Strom/Internet/Heizung jährlich | -1.200 € |
| Sonstiges (Vermittlung, Software, Kleinkram) | -800 € |
| Summe operative Kosten | -7.752 € |
Fixkosten, Versicherung, Rücklagen und Steuern
Fixkosten und Rücklagen setze ich separat an, weil sie die langfristige Betriebsfähigkeit sichern:
Beispielsummen:
| Hausverwaltung / Nebenkosten (anteilig) | -1.800 € |
| Versicherungen | -400 € |
| Rücklage | -1.000 € |
| Summe Fixkosten | -3.200 € |
Finanzierungskosten berücksichtigen
Für kurzfristige Rentabilität ist insbesondere der Zinsanteil relevant. Angenommenes Beispiel:
Tilgung zahlt auf langfristige Rendite ein, für Cash‑on‑Cash‑Betrachtung berücksichtige ich Zins + Tilgung, oft aber differenziert: kurzfristige Liquiditätsbelastung = Zinsen + Mindesttilgung.
Konsolidierte Beispielrechnung: Jahreswert
| Nach Gebühren | +17.345 € |
| Operative Kosten | -7.752 € |
| Fixkosten | -3.200 € |
| Finanzierung (Zinsen) | -8.400 € |
| Jahresnetto‑Cashflow | -2.007 € |
In diesem konservativen Beispiel ergibt sich ein negativer Jahres‑Cashflow von rund 2.000 €. Das ist für mich kein Nein, sondern ein wichtiges Signal: entweder muss ich den Preis/Belegung erhöhen, Kosten senken (z. B. günstigere Finanzierung oder geringere Plattformkosten) oder das eingesetzte Eigenkapital anpassen.
Wichtige Kennzahlen: Bruttomietrendite, Nettorendite, Cash‑on‑Cash
Ich berechne mehrere Kennzahlen:
Diese Kennzahlen zeigen: Bruttoperspektive sieht attraktiv aus, nach Abzug echter Kosten kann die kurzfristige Cash‑Position jedoch negativ sein. Ich nutze solche Abweichungen, um Alternativszenarien zu prüfen (höherer Preis, bessere Belegung, anderes Finanzierungsmodell).
Sensitivitätsanalyse: Was verändert das Ergebnis am meisten?
In meiner Erfahrung sind die größten Hebel:
Ich erstelle stets drei Szenarien: konservativ, realistisch, optimistisch — und prüfe, ob das konservative Szenario noch akzeptabel ist. Wenn nicht, ist das Projekt für kurzfristige Rendite ungeeignet oder benötigt Anpassungen.
Praktische Tipps, die ich in Projekten empfehle
Wenn Sie möchten, erstelle ich Ihnen gern eine individuell angepasste Excel‑Vorlage mit Ihren Zahlen (Standort, Kaufpreis, Finanzierung, erwartete Belegung), damit Sie die Szenarien durchrechnen können. Teilen Sie einfach die wichtigsten Eckdaten — ich helfe Ihnen Schritt für Schritt, die kurzfristige Rentabilität Ihres Neubau‑Apartments realistisch einzuschätzen.