Beim Berechnen der kurzfristigen Rentabilität eines Neubau‑Etagenapartments für Kurzzeitvermietung richte ich meinen Blick zuerst auf die Praxis: Welche Einnahmen sind realistisch, welche Kosten darf ich nicht übersehen und wie reagieren Einnahmen auf Saisonalität oder Plattform‑Gebühren? In diesem Artikel nehme ich Sie mit durch meine eigene Kalkulationslogik, zeige Beispielrechnungen und gebe konkrete Tipps, wie Sie zu einer belastbaren Einschätzung kommen.

Worauf kommt es bei der kurzfristigen Rentabilität an?

Kurzfristige Rentabilität bedeutet für mich: Ich schaue vor allem auf die Cashflows innerhalb eines Jahres bis zu drei Jahren — Einnahmen nach Gebühren, laufende Kosten, Finanzierungskosten und die Effekte von Leerstand beziehungsweise saisonalen Schwankungen. Dabei unterscheide ich:

  • Bruttoeinnahmen (durchschnittliche Nächte x Preis pro Nacht)
  • Nettoeinnahmen nach Plattform‑ und Zahlungsgebühren
  • Operative Kosten (Reinigung, Betrieb, Strom, Internet, Verbrauchsmaterial)
  • Fixkosten (Versicherung, Hausverwaltung, Grundsteuer, Rücklage für Instandhaltung)
  • Finanzierungskosten (Zinsen, Tilgung — für kurzfristige Rentabilität oft relevant: Zinsanteil)
  • Nur wenn ich alle diese Posten realistisch schätze, erhalte ich eine belastbare Kennzahl wie Cash‑on‑Cash‑Return, Nettoergebnis oder die kurzfristige Rendite (jährlicher Nettogewinn / eingesetztes Eigenkapital).

    Wichtige lokale Rahmenbedingungen: Beherbergungsregeln und Meldepflichten

    Bevor ich Zahlen in eine Kalkulation tippe, prüfe ich immer die lokalen Regeln. Viele Kommunen besitzen eigene Vorschriften:

  • Zweckentfremdungsverbot (z. B. Zweckentfremdungsgesetze in deutschen Städten) kann die Vermietung ganz oder teilweise verbieten oder eine Genehmigungspflicht erzeugen.
  • Melde‑ und Registrierungs­pflichten: Anmeldung bei der Stadt, Vermieternummer (z. B. Registrierungsnummer für Airbnb) oder touristische Abgaben/Tourismussteuer.
  • Hygiene‑, Brandschutz‑ und Mindestanforderungen an kurzzeitige Unterkünfte.
  • Diese Regeln erzeugen direkte Kosten (Registrierungen, ggf. Umbauten) und indirekte Risiken (Bußgelder, Nutzungsbeschränkungen). Ich setze in meiner Kalkulation deshalb immer einen Puffer für regulatorische Anpassungen ein — typischerweise 5–10 % der erwarteten Einnahmen.

    Einnahmen realistisch schätzen: Belegung, Preisstrategie, Plattformmix

    Die Bruttoumsätze errechnen sich aus der durchschnittlichen Belegung und dem durchschnittlichen Preis pro Nacht. Meine Praxis:

  • Analyse vergleichbarer Inserate (ähnliche Lage, Größe, Ausstattungsniveau) auf Airbnb, Booking.com und FeWo‑Portalen.
  • Berücksichtigung von Saisonalität: Ich erstelle einen einfachen 12‑Monate‑Plan (Hochsaison, Nebensaison, Ferienwochen).
  • Dynamic Pricing: Tools wie PriceLabs, BeyondPricing können die Auslastung und den Ertrag erhöhen — der Einsatz verursacht Kosten, die eingeplant werden müssen (meist 1–3 % der Einnahmen).
  • Als Beispiel: 30 m² Apartment, Standort: touristisch attraktives Stadtviertel. Realistische Werte zum Einstieg:

    Durchschnittlicher Preis/Nacht (Netto vor Plattformgebühren)90 €
    Durchschnittliche Belegung/Jahr60 % (219 Nächte)
    Bruttojahreseinnahmen90 € x 219 = 19.710 €

    Plattform‑Gebühren und Zahlungsgebühren

    Platformgebühren sind ein nicht zu vernachlässigender Posten. Typische Werte:

  • Airbnb: 3 % Gastgebergebühr (bei Nutzung der Gastgeberabrechnung), oder bis zu 14–20 % bei Gastgeber‑und‑Gäste‑Verteilung/je nach Modell.
  • Booking.com: oft 10–18 % Kommission.
  • Zahlungsabwickler (Kreditkarten, PayPal) 1–3 %.
  • Ich rechne konservativ mit einer durchschnittlichen Plattform‑ und Zahlungsgebührenbelastung von 12 %. Auf das oben genannte Beispiel bedeutet das:

    Bruttojahreseinnahmen19.710 €
    Plattform & Zahlungsgebühren (12 %)-2.365 €
    Nach Gebühren17.345 €

    Operative Kosten einplanen

    Operative Kosten für Kurzzeitvermietung sind höher als bei Langzeitvermietung. Typische Positionen:

  • Reinigung pro Wechsel: 30–80 € (je nach Region und Qualität)
  • Wäscherei, Verbrauchsmaterial, Kaffee etc.: pauschal 5–10 €/Nacht
  • Strom, Gas, Internet, TV: anteilig je Monat
  • Verwaltung/Schlüsselübergabe (Host/Co‑Host oder Agentur): fix oder pro Buchung
  • Im Beispiel rechne ich konservativ:

    Durchschnittliche Reinigungskosten pro Buchung (50 €), Buchungen/Jahr (angenommen 80)-4.000 €
    Verbrauchskosten (8 €/Nacht x 219)-1.752 €
    Strom/Internet/Heizung jährlich-1.200 €
    Sonstiges (Vermittlung, Software, Kleinkram)-800 €
    Summe operative Kosten-7.752 €

    Fixkosten, Versicherung, Rücklagen und Steuern

    Fixkosten und Rücklagen setze ich separat an, weil sie die langfristige Betriebsfähigkeit sichern:

  • Hausverwaltung/Gemeinschaftskosten anteilig (z. B. 1.800 €/Jahr)
  • Gebäudeversicherung, Haftpflicht (inkl. Hausrat für Short‑Term setups) (400 €/Jahr)
  • Instandhaltungsrücklage (1–2 % des Immobilienwerts, kurzfristig pauschal: 1.000 €/Jahr)
  • Tourismusabgabe/Ortsausschriften (wenn zutreffend)
  • Beispielsummen:

    Hausverwaltung / Nebenkosten (anteilig)-1.800 €
    Versicherungen-400 €
    Rücklage-1.000 €
    Summe Fixkosten-3.200 €

    Finanzierungskosten berücksichtigen

    Für kurzfristige Rentabilität ist insbesondere der Zinsanteil relevant. Angenommenes Beispiel:

  • Kaufpreis Neubau‑Apartment inkl. Kaufnebenkosten: 300.000 €
  • Eigenkapital: 60.000 € (20 %)
  • Finanzierung: 240.000 €, Zinssatz aktuell 3,5 % p.a., anfängliche Zinslast ca. 8.400 €/Jahr
  • Tilgung zahlt auf langfristige Rendite ein, für Cash‑on‑Cash‑Betrachtung berücksichtige ich Zins + Tilgung, oft aber differenziert: kurzfristige Liquiditätsbelastung = Zinsen + Mindesttilgung.

    Konsolidierte Beispielrechnung: Jahreswert

    Nach Gebühren+17.345 €
    Operative Kosten-7.752 €
    Fixkosten-3.200 €
    Finanzierung (Zinsen)-8.400 €
    Jahresnetto‑Cashflow-2.007 €

    In diesem konservativen Beispiel ergibt sich ein negativer Jahres‑Cashflow von rund 2.000 €. Das ist für mich kein Nein, sondern ein wichtiges Signal: entweder muss ich den Preis/Belegung erhöhen, Kosten senken (z. B. günstigere Finanzierung oder geringere Plattformkosten) oder das eingesetzte Eigenkapital anpassen.

    Wichtige Kennzahlen: Bruttomietrendite, Nettorendite, Cash‑on‑Cash

    Ich berechne mehrere Kennzahlen:

  • Bruttomietrendite = Jahresbruttoeinnahmen / Kaufpreis = 19.710 / 300.000 = 6,57 %
  • Nettomietrendite (nach operativen Kosten, ohne Finanzierung) = (17.345 - 7.752 - 3.200) / 300.000 ≈ 2,13 %
  • Cash‑on‑Cash = Jahresnetto‑Cashflow / eingesetztes Eigenkapital = (-2.007) / 60.000 = -3,34 %
  • Diese Kennzahlen zeigen: Bruttoperspektive sieht attraktiv aus, nach Abzug echter Kosten kann die kurzfristige Cash‑Position jedoch negativ sein. Ich nutze solche Abweichungen, um Alternativszenarien zu prüfen (höherer Preis, bessere Belegung, anderes Finanzierungsmodell).

    Sensitivitätsanalyse: Was verändert das Ergebnis am meisten?

    In meiner Erfahrung sind die größten Hebel:

  • Belegung (±10 % Belegung kann Cashflow deutlich verändern)
  • Preis pro Nacht (eine Erhöhung von 10 € pro Nacht bei 200 Nächten bringt schnell mehrere tausend Euro)
  • Finanzierungskosten (0,5–1,0 % Zinsdifferenz hat einen großen Effekt)
  • Plattformauswahl (direkte Buchungen über eigene Website reduzieren Gebühren)
  • Ich erstelle stets drei Szenarien: konservativ, realistisch, optimistisch — und prüfe, ob das konservative Szenario noch akzeptabel ist. Wenn nicht, ist das Projekt für kurzfristige Rendite ungeeignet oder benötigt Anpassungen.

    Praktische Tipps, die ich in Projekten empfehle

  • Nutzen Sie professionelle Fotos und gezieltes Interior‑Staging: Preis und Belegung steigen nachweislich.
  • Automatisieren Sie Prozesse (Smart Lock, Reinigungskoordination, Channel Manager), um Personalkosten zu senken.
  • Verhandeln Sie mit Reinigungsfirmen Staffelpreise; prüfen Sie Win‑Win‑Modelle mit lokalen Partnern.
  • Prüfen Sie alternative Plattformen und Direktbuchungsoptionen, um Plattformprovision zu reduzieren.
  • Planen Sie regulatorische Kosten/Puffer ein; beantragen Sie ggf. frühzeitig notwendige Genehmigungen.
  • Wenn Sie möchten, erstelle ich Ihnen gern eine individuell angepasste Excel‑Vorlage mit Ihren Zahlen (Standort, Kaufpreis, Finanzierung, erwartete Belegung), damit Sie die Szenarien durchrechnen können. Teilen Sie einfach die wichtigsten Eckdaten — ich helfe Ihnen Schritt für Schritt, die kurzfristige Rentabilität Ihres Neubau‑Apartments realistisch einzuschätzen.