Beim Erwerb eines Mehrfamilienhauses stellt sich mir immer zuerst die Frage: Mit welchem Kaufpreis und wie viel Eigenkapital erreiche ich eine cashflow‑positive erste Fünfjahresperiode? Das hängt von vielen Variablen ab — aber es lässt sich mit strukturiertem Vorgehen und realistischen Annahmen planbar machen. Ich zeige Ihnen, wie ich rechne, welche Stellschrauben den größten Einfluss haben und gebe Ihnen ein Beispiel‑Rechenmodell, das Sie auf Ihren Fall übertragen können.
Was bedeutet cashflow‑positiv in den ersten fünf Jahren?
Ich verstehe darunter, dass die laufenden Mieteinnahmen nach Abzug aller laufenden Ausgaben (Zinsen, Tilgung, Betriebskosten‑/Verwaltungsanteil, Instandhaltungsrücklage, Steuern) monatlich einen positiven Überschuss liefern — und dass über die gesamte fünfjährige Periode kumuliert kein negativer Nettocashflow entsteht. Wichtige Klarstellung: Ich spreche hier vom "Netto‑Cashflow" vor Verkauf bzw. vor Berücksichtigung unrealistischer Wertsteigerungen.
Die wichtigsten Einflussfaktoren
Bei der Entscheidungsfindung zentriere ich mich meistens auf folgende Kennzahlen: Bruttomietrendite, Nettomietrendite, Schuldendienstdeckungsgrad (DSCR) und den monatlichen Netto‑Cashflow pro Einheit.
Typische Annahmen für Rechenbeispiele
Für ein praxisnahes Modell nehme ich häufig diese konservativen Annahmen:
Konkretes Rechenbeispiel (fiktiv, übertragbar)
Ich berechne hier drei Szenarien für ein Mehrfamilienhaus mit 8 Wohnungen, Kaufpreisvarianten und typischen Parametern:
| Konservativ | Realistisch | Optimistisch | |
|---|---|---|---|
| Kaufpreis | 800.000 € | 600.000 € | 450.000 € |
| Bruttomietrendite p.a. | 5,5 % | 6,5 % | 7,5 % |
| Bruttomiete p.a. | 44.000 € | 39.000 € | 33.750 € |
| Leerstand/Verwaltung | 6 % | 5 % | 5 % |
| Netto Mieteinnahmen | 41.360 € | 37.050 € | 32.063 € |
| Betrieb/Instandhaltung (25 %) | 10.340 € | 9.262 € | 8.016 € |
| Netto nach Aufw. | 31.020 € | 27.788 € | 24.047 € |
| Finanzierung: Zins 4 %, Tilgung 2 % (gesamt 6 %) | 48.000 € p.a. (bei 800k Vollfinanz.) | 36.000 € p.a. (bei 600k Vollfinanz.) | 27.000 € p.a. (bei 450k Vollfinanz.) |
| Netto‑Cashflow p.a. (vor Steuern) | -16.980 € | -8.212 € | -2.953 € |
Erklärung: Bei Vollfinanzierung sind alle Szenarien negativ. Realistisch ist jedoch, dass Käufer Eigenkapital einsetzen. Ich zeige Ihnen nun, wie viel Eigenkapital erforderlich wäre, damit der Cashflow positiv wird.
Wie viel Eigenkapital nötig ist?
Grundidee: Durch Eigenkapital reduziert sich der Kreditbetrag – damit sinken Zins‑ und Tilgungszahlungen. Ich gehe davon aus, dass Nebenkosten (Grunderwerbsteuer, Notar, Makler) ca. 10–15 % zusätzlich zum Kaufpreis sind und aus Eigenkapital gedeckt werden sollten.
Als Faustregel errechne ich den Break‑Even‑Eigenkapitalanteil so: benötigte jährliche Debt Service = Netto nach Aufw. (aus Tabelle). Um positiv zu sein, muss Debt Service ≤ Netto nach Aufw. Beispiel für das realistische Szenario (Kaufpreis 600.000 €):
Das Ergebnis: Um bei 600.000 € Kaufpreis cashflow‑positiv zu starten, benötige ich rund 33 % Eigenkapital inklusive Nebenkosten. Bei niedrigerem Kaufpreis relativ weniger EK, bei günstigeren Zinsen oder höherer Miete verringert sich der Bedarf.
Sensitivität: Was verändert die Bilanz am stärksten?
Praktische Tipps, die ich anwende
Was ich im Vorfeld immer prüfe
Wenn Sie möchten, stelle ich Ihnen gern eine Excel‑vorlage zur Verfügung, mit der Sie diese Variablen für Ihr konkretes Objekt durchspielen können. Damit lassen sich schnell EK‑Bedarf, Break‑Even‑Zins und monatlicher Netto‑Cashflow visualisieren — sehr hilfreich bei Kreditverhandlungen oder Angebotseinschätzungen.