Wenn ich eine renditestarke Wohnung für Kurzzeitvermietung finden möchte — und das möglichst schnell und ohne böse Überraschungen bei Sanierungskosten — arbeite ich nach einem festen Plan. Kurzfristige Vermietungen bieten attraktive Renditen, aber das Risiko versteckter Mängel kann die Rechnung schnell kaputtmachen. Ich teile hier meine erprobten Schritte, Checklisten und Praxis-Tipps, damit Sie zielgerichtet suchen, clever prüfen und sicher investieren können.

Vorab: klare Kriterien setzen

Bevor ich überhaupt Immobilienanzeigen scanne, definiere ich meine Anforderungen exakt. Das spart Zeit und schützt vor Fehlkäufen. Typische Kriterien sind:

  • Lage: Stadtzentrum oder touristisch attraktive Viertel (gute Anbindung, Sehenswürdigkeiten, Business-Demand)
  • Objekttyp: Einzimmer-Appartement, 2-Zimmer oder Ferienwohnung
  • Maximales Budget inkl. Puffer für Renovierung
  • Zielmietpreis pro Nacht und Auslastungserwartung (realistisch, z.B. 60–75% Jahresauslastung)
  • Mindest-ROI oder Cashflow-Erwartung
  • Ich notiere diese Punkte in einer kurzen Excel- oder Google-Sheet-Vorlage, damit jede potentielle Immobilie anhand derselben Kennzahlen bewertet wird.

    Wo ich schnell passende Angebote finde

    Ich kombiniere mehrere Kanäle — so entgeht mir kaum ein interessantes Objekt:

  • Immobilienportale mit Filter für Kapitalanlage: Immobilienscout24, Immonet, Ebay Kleinanzeigen (Profi-Listings)
  • Maklernetzwerke und lokale Makler: Viele Investitionsobjekte werden zuerst lokal angeboten
  • Außerbörsliche Quellen: Zwangsversteigerungen, Auktionsplattformen, Projektentwickler
  • Netzwerk: Immobilien-Investorengruppen auf Facebook, X (Twitter), regionale Meetup-Gruppen
  • Direktansprache von Eigentümern: "Letterboxing" oder Einwurf bei Mehrfamilienhäusern
  • Wichtig: Bei Filtern gezielt nach "vermietung", "rendite", "gewerbliche Nutzung" suchen — das spart Zeit.

    Erste Prüfung online: rote Fahnen erkennen

    Beim ersten Durchsehen achte ich auf Hinweise, die auf versteckte Kosten hindeuten:

  • Unklare oder fehlende Energiewerte (Energieausweis): Ein sehr schlechter Wert kann hohe Sanierungskosten bedeuten
  • Widersprüchliche oder sehr dürftige Fotos: fehlende Bilder von Sanitär, Küche, Technik
  • Langfristige Leerstände in den Anzeigen oder häufiger Eigentümerwechsel
  • Formulierungen wie "renovierungsbedürftig" ohne Detailangaben — das heißt oft: umfangreiche Arbeiten
  • Vor-Ort-Check: die wichtigsten Punkte

    Vor Ort nehme ich immer eine kurze Checkliste mit — idealerweise auf dem Smartphone. Wenn die Anzeige passt, mache ich einen Besichtigungstermin und prüfe diese Punkte:

  • Feuchtigkeit/Schimmel: Geruch, Wasserflecken an Decke/Wand, Risse im Putz
  • Sanitäre Einrichtungen & Elektrik: Modernität der Verkabelung (Sicherungskasten?), sichtbare Roststellen an Rohren
  • Boden und Estrich: Billige Teppiche über altem Parkett sind ein Indiz für versteckte Sanierung
  • Fenster & Fassade: Austauschpflichten in den nächsten Jahren (Schallschutz, Dämmung)
  • Treppenhaus & Hauszustand: Vernachlässigtes Treppenhaus deutet auf Eigentümer mit niedrigen Investitionen hin
  • Lageanalyse: Lärmquellen, Parkplatzsituation, Entfernung zu ÖPNV
  • Ich mache zahlreiche Fotos und kurze Videos, auch von Keller, Dachboden und Hausanschlüssen, wenn zugänglich. Diese Medien helfen später bei der Kostenschätzung.

    Technische Due Diligence: worauf ich am meisten achte

    Um versteckte Sanierungskosten zu vermeiden, lasse ich bei ernsthaften Kandidaten technische Dokumente prüfen oder hole kurzfristig einen Gutachter/Elektriker/Installateur zur Besichtigung:

  • Gebäudeenergieausweis: Pflichtdokument, zeigt dringend nötige Dämm- oder Heizungsarbeiten
  • Protokolle der letzten Eigentümerversammlungen: Dort stehen Instandhaltungsmaßnahmen, Sonderumlagen, Dach-/Fassadenarbeiten
  • Prüfung der Bausubstanz: Feuchtigkeit, Risse, Statikhinweise
  • Elektrik & Gas: VDE-konforme Installation oder notwendiger Austausch
  • Rechnungen für letzte Sanierungen: Kostenhöhe und Qualität der Arbeiten
  • Für kurze Investments kalkuliere ich eher konservativ: Ich plane einen Sanierungspuffer von mindestens 10–20% auf meine Kostenschätzung — bei älteren Objekten lieber 30%.

    Finanzierungs- und Renditekalkulation

    Eine Renditeberechnung muss realistisch sein. Ich rechne mit konservativen Belegungsraten und Plattformgebühren:

    PostenBeispiel/Annahme
    Kaufpreis150.000 €
    Renovierung15.000 €
    Anschaffung Möblierung & Ausstattung5.000 €
    Jährliche Betriebs-/Instandhaltungskosten2.000 €
    Durchschnittlicher Netto-Mietpreis pro Nacht80 €
    Auslastung (konservativ)60% (219 Nächte)
    Jahresbruttomiete17.520 €
    Plattform- & Servicegebühren20% (3.504 €)
    Netto vor Finanzierung11.016 €

    Die Nettorendite berechne ich dann nach Finanzierungskosten: Zinssatz, Tilgung und Sondertilgungsmöglichkeiten berücksichtigen. Nur wenn die Rendite nach Fremdkapitalkosten positiv ist und ein Sicherheits-Puffer bleibt, nehme ich das Objekt ernst.

    Rechtliche Rahmenbedingungen & Steuern

    Kurzzeitvermietung ist nicht überall problemlos: Gemeinden haben unterschiedliche Regeln, Vermietungsverbote oder Zweckentfremdungsverbote. Ich prüfe:

  • Kommunale Regelungen (Zweckentfremdungsverbot, Anmeldung bei Tourismusämtern)
  • Auflagen der Eigentümergemeinschaft (teilweise untersagt!)
  • Notwendige Gewerbeanmeldung und steuerliche Behandlung: Einkünfte aus Vermietung oder gewerblich? Beratung durch Steuerberater ist Pflicht
  • Kurzzeitmiete und Mietvertrag: Hausordnung und Wiedervermietungsrechte beachten
  • Betrieb & Management: wie ich versteckte Kosten vermeide

    Viele Investoren unterschätzen Betriebskosten: Reinigung, Wäschewechsel, Schlüsselübergabe, Plattform-Kommunikation. Ich plane dafür:

  • Lokale Reinigungskräfte mit festen Preisen oder Dienstleister wie HostnFly, GuestReady (je nach Stadt)
  • Automatisierung: Smart Locks (August, Nuki), digitale Gästemappen, automatisierte Reinigungsplanung
  • Versicherungsschutz: Vermieter-Haftpflicht und Short-Term-Rental-Police (z.B. Spezialisierte Anbieter wie Hiscox)
  • Rücklagen für Ersatzbeschaffungen (Möbel, Technik)
  • Verhandeln und Zuschlag

    Wenn alle Prüfungen positiv sind, verhandle ich mit klaren Argumenten: Nachweis von Reparaturbedarf, Vergleichspreise, Marktdaten. Ich mache Angebote mit Vorbehalt technischer Prüfung (falls möglich) und setze Fristen. Ein schneller Zahltag verbunden mit Bankfinanzierungsnachweis kann den Zuschlag bringen — aber nur, wenn meine Due-Diligence stimmt.

    Wenn Sie möchten, kann ich Ihnen meine Excel-Vorlage zur Renditeberechnung und eine vorgefertigte Besichtigungs-Checkliste zuschicken — damit Ihre nächste Suche genauso systematisch und sicher läuft wie meine.